AIDS und der Wunsch nach Kindern

27. Dezember 2012 | Von | Kategorie: Sexualität

Viele AIDS-Kranke haben genau wie gesunde Menschen irgendwann den Wunsch, Kinder zu zeugen. Etwa 75 Prozent aller Infizierten sind im Alter zwischen 20 und 40 Jahren. Das ist genau die Zeit, in denen bei den meisten der natürliche Wunsch zur Elternschaft entsteht. Viele denken, es sei aufgrund der Erkrankung nicht möglich Kinder zu bekommen, jedoch gibt es heute tatsächlich eine relativ große Chance, gesunde Kinder zu bekommen, auch wenn die Mutter HIV-positiv ist.

Zu allererst müssen die werdenden Eltern sich Spezialisten suchen, die geschult sind in der Behandlung und Beratung von AIDS-kranken Eltern. Es muss geklärt werden, welche Situation vorliegt: Ist der Mann infiziert, muss die Frau vor der Ansteckung geschützt werden. Ist die Frau infiziert, müssen der Mann und gleichzeitig das Kind geschützt werden. Sind beide infiziert, dann steht der Schutz des Kindes an erster Stelle, zudem sollten aber auch keine Viren untereinander ausgetauscht werden.
Im Gespräch mit dem Spezialisten wird sich zudem klären, wie überhaupt eine Zeugung vonstatten gehen kann, sofern noch keine Schwangerschaft vorliegt. Bei einigen Paaren kann das Zeugen der Kinder auf natürlichem Wege geschehen, bei den meisten jedoch nicht, da das Risiko einer Übertragung zu hoch ist. Ist keine Zeugung auf natürlichem Weg möglich, könnte bei Krankheit der Frau eine künstliche Befruchtung durchgeführt werden. Hierfür wird das Sperma des Mannes direkt in die Eizelle eingepflanzt. Ist der Mann infiziert, muss das Sperma in einem speziellen Labor so gereinigt werden, dass nur noch gesunde Spermien übrig bleiben. Fällt der darauf folgende HIV-Test der Spermien negativ aus, kann nun ebenfalls eine künstliche Befruchtung durchgeführt werden, um Kinder zu zeugen.

Während der Schwangerschaft beträgt das Risiko einer Ansteckung der Kinder etwa 7 Prozent. Kurz vor und während der Geburt liegt die Wahrscheinlichkeit bei fast 20 Prozent, beim Stillen bei 15 Prozent. Wer aber die richtigen Maßnahmen ergreift, kann eine Ansteckung der Kinder in fast allen Fällen verhindern. Die werdende Mutter sollte während der Schwangerschaft bestimmte HIV-Medikamente einnehmen, die dafür sorgen, dass die Konzentration des Virus im Blut gering bleibt. Liegt eine hohe Viruslast bei der infizierten Mutter vor, ist das Risiko einer Übertragung auf die Kinder größer. Auch wenn schon vorher Medikamente gegen HIV eingenommen wurden, sollten diese vorerst weiter eingenommen und nicht gleich beim positivem Schwangerschaftstest eigenständig abgesetzt werden. Zuerst sollte schnellstmöglich ein Arzt aufgesucht werden, der dann darüber aufklärt ob dieses Mittel auch während der Schwangerschaft eingenommen werden soll.

Gegebenfalls wird er auf ein anderes Mittel wechseln. Regelmäßige genaue Untersuchungen beim Frauenarzt sowie in einer HIV-Schwerpunktpraxis bzw. in einer HIV-Schwerpunktambulanz sollten selbstverständlich sein, um die zukünftigen Kinder zu schützen. Die Entbindung sollte in einem Krankenhaus stattfinden, das bereits Erfahrung mit HIV-infizierten Schwangeren hat. Früher wurde hauptsächlich per Kaiserschnitt entbunden, jedoch haben in den letzten Jahren zunehmend mehr Frauen trotz ihrer Infektion eine natürliche Geburt erleben können. Dies ist möglich, wenn durch die Medikamente der HIV-Wert im Blut so gering ist, dass er unter der Nachweisgrenze liegt. Ist dies dauerhaft der Fall, besteht für die Kinder keine Gefahr der Ansteckung.
Sicherheitshalber sollten HIV-infizierte Frauen nach der Geburt auf das Stillen verzichten. Es gibt heute zahlreiche Möglichkeiten, auch ohne das direkte Stillen ein gesundes Kind großzuziehen.
Meist werden den Kindern nach der Geburt vier Wochen lang HIV-Medikamente gegeben, um einer Ansteckung vorzubeugen.

Mit all diesen Maßnahmen liegt das Risiko einer Ansteckung nur noch bei 1–2 Prozent. Es ist also durchaus machbar für HIV-positive Eltern, Kinder zu bekommen. Das Risiko ist so gering, dass verantwortungsbewusste Mütter und Väter kaum befürchten müssen, ein HIV-krankes Kind auf die Welt zu bingen. Der Vorwurf, es sei verantwortungslos von HIV-Kranken, Kinder auf die Welt zu bringen, ist längst überholt, auch wenn das in früheren Zeiten vielleicht der Fall war. Heute sind die medizinischen Möglichkeiten jedoch so gut, dass mit AIDS Kinder zu kriegen kein Problem mehr ist.

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