HIV in der Partnerschaft

23. Mai 2013 | Von | Kategorie: Sexualität

Natürlich ist es für eine Partnerschaft ein Schock, wenn einer der beiden Partner mit HIV infiziert ist. Meist bestand die Infektion bereits vor der Partnerschaft, möglich ist aber auch eine Ansteckung auf anderem Wege als durch Geschlechtsverkehr. Paare, in denen nur ein Partner HIV-positiv ist, nennt man “diskordant“, das bedeutet “nicht übereinstimmend”. Was sicherlich eins der Grundprobleme in einer solchen Partnerschaft ist, ist die ständige Angst vor einer Ansteckung.

HIV in der Partnerschaft

HIV in der Partnerschaft (© laurent hamels – Fotolia.com)

Im täglichen Zusammenleben in der Partnerschaft gibt es eigentlich sehr wenige Risiken, jedoch kann natürlich beim Geschlechtsverkehr leicht eine Ansteckung erfolgen. Dadurch kann die Sexualität in einer solchen Partnerschaft stark beeinflusst werden. Auch durch Nebenwirkungen von HIV-Medikamenten kann es zu Veränderungen kommen, Frauen verspüren zum Beispiel weniger Lust auf Sex oder Männer leiden unter Erektionsproblemen. Auch dadurch kann es zu Spannungen, Schuldgefühlen und einer Unzufriedenheit kommen. Besonders wichtig ist es hier, offen mit dem Partner über solche Probleme zu sprechen. Oftmals entstehen Probleme erst, wenn der eine meint, den anderen in der Partnerschaft schonen zu müssen, indem er ihm nichts von seiner Gefühlswelt erzählt.

Die HIV-Negativen wollen ihren ohnehin schon kranken Partner nicht zusätzlich belasten, die HIV-Positiven haben oft sowieso schon Schuldgefühle wegen ihrer Krankheit und wollen nicht noch vermeintlich zusätzliche Probleme verursachen. HIV-Negative wissen vor allem kurz nach der Diagnose nicht mehr, wie sie mit dem Partner umgehen sollen. Oftmals wird der Infizierte behandelt wie ein schwer Kranker, er soll geschont und beschützt werden. Es ist jedoch genau das Verhalten, das viele HIV-Positive ablehnen. Sie wollen sich nicht kranker fühlen, als sie sind, und wünschen sich in den meisten Fällen einen völlig normalen Umgang. Und letztlich fühlen sich die meisten HIV-Patienten meistens gar nicht krank, denn es gibt heutzutage so gute HIV-Medikamente, dass Infizierte ein völlig normales Leben führen können. Lediglich die Nebenwirkungen der Medikamente können hin und wieder zu gesundheitlichen Einschränkungen führen.

Aufgrund der vorhandenen Spannungen und Ängste ist es nicht selten, dass sich in der Partnerschaft einer der Partner sogar eine Ansteckung wünscht. Dies ist vor allem der Fall, wenn von den Auswirkungen des Virus nichts zu spüren ist. In der Partnerschaft kann dies sowohl der Infizierte als auch der bislang Gesunde sein. Es gibt Fälle, in denen eine Ansteckung in der Partnerschaft absichtlich herbeigeführt wurde. Die Partner beschreiben dann, dass es eine neue Leichtigkeit und Hemmungslosigkeit in der Beziehung geben würde und viele Ängste durch die Ansteckung verschwunden seien. Man müsse nicht mehr “so aufpassen” und sich keine Gedanken mehr um das Thema Ansteckung machen.

Infektionsverlauf ohne medikamentöse Behandlung

Infektionsverlauf ohne medikamentöse Behandlung

Wenn beide Parteien in der Partnerschaft sich dafür entschieden haben, kann man natürlich nichts mehr dagegen tun. Es sollte jedoch jedem bewusst sein, dass HIV und AIDS nach wie vor keine Erkrankungen sind, die auf die leichte Schulter genommen werden können. Bricht das Virus einmal in vollem Maße aus, kann es nach wie vor zum Tod führen. Einige Patienten haben Glück und bleiben für immer vom Ausbruch verschont, während andere bereits nach Monaten akut unter dem Virus leiden. Ist das Immunsystem erstmal so geschwächt, besteht wenig Chance auf Heilung. Dieses Risiko in einer Partnerschaft einzugehen ist verantwortungslos. Niemand kann sich selbst daran messen, wie gut es dem Partner mit der Krankheit geht. Selbst wenn dieser seit Jahren beschwerdefrei ist, sollte dies keine Rückschlüsse auf die eigene Gesundheit zulassen. Das HIV-Virus ist schlecht berechenbar, wenn auch inzwischen gut unter Kontrolle zu halten.

Geschieht eine Ansteckung in der Partnerschaft unbeabsichtigt, gibt es die Möglichkeit der Postexpositions-Prophylaxe (PEP). Das bedeutet, dass der bislang gesunde Partner bei Verdacht auf eine Ansteckung mindestens vier Wochen lang bestimmte Medikamente einnimmt, die das Ausbreiten einer Infektion verhindern können. Nach dieser Therapie liegt das Risiko einer Infektion nur noch bei 20 Prozent.

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