Infektionsverlauf

Das HI-Virus wurde 1983 von den französischen Forschern Francoise Barré-Sinoussi und Luc Montagnier entdeckt. Erstmals beschrieben wurden die Auswirkungen dieses Virus allerdings bereits 1981 durch Michael Gottlieb von der University of California in Los Angeles. Gottlieb hielt es damals allerdings für eine seltsame Lungenentzündung, an deren Folgen bereits zwei homosexuelle Männer gestorben waren.

Über die erste Infektion wurde über viele Jahre diskutiert und spekuliert. 2005 konnte ein internationales Forscherteam belegen, dass das Virus seinen Ursprung bei Affen aus Kamerun hat. Bei den Affen konnten in zahlreichen Kotproben Antikörper gegen SI-V, der HI-V-Version bei Schimpansen, festgestellt werden. Die erste Infektion des Menschen mit dem SI-V erfolgte im 20. Jahrhundert. Die Schimpansen selbst sollen die Infektion über andere Affenarten erhalten haben. Gemutmaßt wird, dass der Mensch sich über den Verzehr von infiziertem Affenfleisch angesteckt habe.

Die Infektion mit HIV erfolgt über ein hohes Maß an HI-Viren, welche in die Blutbahn gelangen. Außerhalb des Körpers ist das Virus nur kurzzeitig lebensfähig, denn es reagiert sehr empfindlich auf die Einflüsse der Umwelt. Das Virus ist in den verschiedenen Körperflüssigkeiten des Menschen enthalten. Zu diesen zählen Blut, Sperma, Scheidenflüssigkeit, Menstruationsblut, Flüssigkeiten in der Muttermilch und die Darmschleimhaut.

Zu Beginn

Zu Beginn muss sich das Virus nicht unbedingt bemerkbar machen. Ein Großteil aller Infektionen verläuft komplett symptomfrei. Der Verlauf der HIV-Infektion wird in vier Phasen unterteilt. Zu diesen gehören die akute Phase, die Latenzzeit, der AIDS related complex (ARC) und das AIDS-Vollbild. Bis zum AIDS-Stadium können Symptome und Anzeichen, die auf HIV verweisen könnten, völlig ausbleiben. Zu den möglichen Symptomen dieser Infektion gehören insbesondere Symptome wie Fieber, Müdigkeit, Unwohlsein, Appetitverlust, Hautausschlag, Gelenkschmerzen, Übelkeit und Durchfall. Diese Anzeichen können auch erst mehrere Wochen nach der Infektion auftreten. Bei den genannten Symptomen handelt es sich aber nicht um HIV-spezifische Anzeichen, denn diese Symptome können auch von weitaus ungefährlicheren Erkrankungen herrühren.

Die Bildung von Antikörpern

Während der ersten drei Monate versucht der Körper noch, sich gegen die HIV-Infektion zu wehren. Dies geschieht über die Bildung von Antikörpern, deren Aufgabe es ist, jegliche Art von Krankheitserregern zu bekämpfen und unschädlich zu machen. Bei einer Infektion mit HIV funktioniert dieser Prozess nicht so wie beispielsweise bei Mumps oder Masern. Das Virus kann nur für einige Zeit unter Kontrolle gehalten und von den Antikörpern abgewehrt werden. Letzteren gelingt es aber nicht, das Virus völlig auszuschalten und unschädlich zu machen. Die Antikörper bleiben dann aber ein Leben lang im Körper erhalten und lassen sich über den so genannten HIV-Antikörpertest nachweisen. Auf diesen Weg lässt sich die Infektion mit HIV auch feststellen.

Weitere Entwicklung

Infektionsverlauf ohne medikamentöse Behandlung

Infektionsverlauf ohne medikamentöse Behandlung

Nach der Infektion, also der akuten Phase, schädigt der Virus die körpereigenen Abwehrkräfte. Hierbei befällt das HI-Virus nicht irgendwelche Zellen im Körper, es hat es auf die ranghöchsten Zellen im Immunsystem abgesehen. Bei diesen handelt es sich um die T-Helferzellen, einer Form von weißen Blutkörperchen, die auch CD4-Zellen genannt werden. Hier nun heftet sich das Virus an, um bald darauf von den T-Helferzellen vollkommen aufgenommen zu werden. Auf diese Weise erfolgt die vollständige Infektion mit dem HI-Virus. Mit der nachfolgenden Auflösung der Zellenhülle wird nicht nur die Erbinformation der CD4-Zellen freigesetzt. Gleichzeitig vermehrt sich das Virus und die Latenzphase ist eingeleitet. Durch die Infektion kann das HI-Virus die Erbinformation der T-Helferzellen umprogrammieren. Nach der Umprogrammierung bleibt der T-Helferzelle nichts anderes übrig, als massenhaft neue Virenbestandteile zu produzieren. Dieses Verfahren vollzieht sich innerhalb von zehn Stunden. Da das HIV-Virus sehr transformationsfähig ist, gelingt es ihm innerhalb kürzester Zeit, unterschiedliche Unterarten zu entwickeln. Sobald die HI-Viren die Oberhand im Körper gewonnen haben, wird der HIV-Infizierte stärker anfällig für Infektionserkrankungen. Meist verläuft die Latenzzeit symptomfrei und kann bis zu zehn Jahre anhalten. Auf diese Weise kann die Infektion unwissentlich an weitere Menschen weitergegeben werden. Während dieser Zeit kommt es vermehrt zu unspezifischen Beschwerden wie Fieber, Nachtschweiß, Durchfall und Lymphknotenschwellungen. Die Anfälligkeit für Krankheiten steigt mit dem Fortschritt der HIV-Infektion.

Die weitere Entwicklung nennt sich AIDS related complex (ARC). Hierbei treten alle jene für die akute Phase typischen Erkältungs- oder Grippe-ähnlichen Symptome auf, jedoch weichen sie diesmal nicht mehr.

AIDS

AIDS bildet das Endstadium der HIV-Infektion. Der Arzt kann das AIDS-Vollbild feststellen, wenn eine bestimmte Anzahl der sogenannten Opportunistischen Infektionen vorhanden ist. Hierunter versteht man bestimmte Erkrankungen wie zum Beispiel Tumore oder Krankheiten, die der geschädigte Körper nicht mehr bekämpfen kann. Sofern die HIV-Infektion nicht medikamentös behandelt wird, kann sich das Immunsystem irgendwann nicht mehr wehren.

Der HIV-Positive kann sich aufgrund seines geschädigten oder auch durch das HI-Virus manipulierten Immunsystems nicht einmal mehr gegen eine harmlose Infektion wehren und stirbt an den Folgen der Opportunistischen Infektion.

Neben bestimmten Arten von Krebs kann es bei einer AIDS-Infektion zu weiteren schwerwiegenden Erkrankungen kommen. Hierzu zählen schwere Lungenentzündungen und Pilzbefall an der Speiseröhre. Die HIV-Infektion kann auch das Nervensystem und das Gehirn schädigen. Ist diese Phase erreicht, spricht man von Aids.

Die HI- Infektion kommt heute in Ländern mit einer guten Gesundheitsvorsorge immer seltener vor. Dennoch sollte man vorsichtig sein und sich sicherheitshalber immer schützen.