Kann ich einen Schwerbehindertenausweis beantragen?

2. Januar 2013 | Von | Kategorie: Recht

Als schwerbehindert gilt, wer einen sogenannten Behinderungsgrad von mindestens 50 Prozent zugesprochen bekommt. Behinderung bedeutet grundsätzlich, dass der Mensch in seinem normalen, täglichen Leben aufgrund unterschiedlichster Faktoren beeinträchtigt ist, was nicht unbedingt heißt, dass die körperliche Behinderung sichtbar sein muss.

Behinderungen können sowohl körperlicher als auch psychischer Art sein. Die Behinderung muss zu sogenannten “Funktionseinschränkungen” führen und zudem noch dauerhaft sein, das heißt mindestens voraussichtlich sechs Monate. Diese Faktoren müssen zu Problemen bei der Eingliederung in die Gesellschaft führen, damit man als schwerbehindert gelten kann. Wie stark die Behinderung ist, richtet sich nach dem sogenannten „GdB”, dem Grad der Behinderung. Ab einem Grad von 50 Prozent gilt man als schwerbehindert.

Eine HIV-Infektion reicht allein nicht aus, um einen Schwerhinderten-Ausweis zu bekommen. Es müssen starke Beeinträchtigungen und stark herabgesetzte Immunwerte vorhanden sein, sowie auch häufige Infektionen, die zu starken Problemen beim Gehen, Stehen, bei der Kozentrationsfähigkeit etc. führen. Die psychische Beeinträchtigung, unter der viele HIV-Betroffene leiden, reicht oftmals nicht aus, um einen Schwerbehinderten-Ausweis zu bekommen. Psychische Probleme können meist nur bescheinigt werden, wenn nachgewiesen wird, dass eine therapeutische oder ärztliche Behandlung stattfindet. Die Anforderungen an Nachweise vom Patienten sind in den Bundesländern unterschiedlich hoch. Dadurch, dass HIV inzwischen relativ gut behandelt werden kann, sind insgesamt die Anforderungen gewachsen, damit man als schwerbehindert gilt.

Wer einen Schwerbehinderten-Ausweis bekommen hat, der hat insgesamt mehr Vorteile und genießt den Schutz des Staates in vielen Belangen. So muss zum Beispiel ein Arbeitgeber erst die Zustimmung des Integrationsamtes einholen, bevor eine Kündigung vorgenommen werden darf. Zudem bekommen Schwerbehinderte fünf zusätzliche Urlaubstage, sie können unter Umständen wieder in die gesetzliche Krankenversicherung (Schwerbehinderte erfüllen meist nicht mehr die Vorraussetzungen für gesetzliche Krankenversicherungen und müssen sich privat versichern) und sie bekommen Steuerermäßigungen. Wer schwerbehindert ist, hat einen höheren Anspruch auf Wohngeld, er muss keine Fernseh- und Rundfunkgebühren bezahlen, zahlt weniger Telefongebühren, kann Vergünstigungen bei öffentlichen Verkehrsmitteln nutzen und hat einen erhöhten Mehrbedarf bei sozialer Grundsicherung. Zudem hat er einen erhöhten Freibetrag bei Hinzuverdienst bei sozialer Grundsicherung und es gibt für Arbeitgeber einen höheren Anreiz, Schwerbhinderte einzustellen, da es eine Behindertenhilfe des Arbeitsamtes gibt.

Nachteile ergeben sich durch einen Schwerbehindertenausweis dann, wenn eine neue Anstellung angestrebt wird, denn viele Arbeitgeber lehnen Schwerbehinderte ab. Normalerweise besteht aber nur die Pflicht seine Behinderung anzugeben, wenn es tatsächlich dadurch zu Problemen im angestrebten Job kommen kann.
Das zuständige Versorgungsamt übernimmt die Anerkennung der Behinderung. Bei Ärzten, die sich mit HIV-Erkrankungen auskennen, erfährt man zudem Unterstützung bei der Beantragung des Ausweises.

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