Muss ich meinen Arbeitgeber über meine HIV-Infektion in Kenntnis setzen?

29. April 2013 | Von | Kategorie: HIV und Arbeit

Es bestehen viele Mythen darüber, ob ein HIV-Positiver seinem Arbeitgeber etwas von seiner Erkrankung erzählen muss oder nicht. Die meisten glauben, der Arbeitgeber muss sofort nach Feststellung der Erkrankung informiert werden – das stimmt so allerdings nicht.

Arbeitgeber über HIV-Infektion informieren

Arbeitgeber über HIV-Infektion informieren (© michaeljung – Fotolia.com)

Kein HIV-Positiver ist dazu verpflichtet, auf der Arbeit von seiner Infektion zu berichten. Wenn er dafür gute Gründe hat und die Angst vor Zurückweisung und Problemen überwiegt und zudem gesundheitlich kein Grund besteht, die Krankheit zu erwähnen, ist der Infizierte zu nichts verpflichtet. Auch ist es ein Mythos, dass HIV-Positive nicht in Krankhäusern, in der Gastronomie oder mit Kindern arbeiten dürfen. Das Risiko der Ansteckung ist so gering, dass bei Einhaltung der Hygienevorschriften kein Grund besteht, diese Berufe zu meiden.

Diese Regelungen gelten für die meisten Berufe, allerdings gibt es Ausnahmen. Im chirurgischen Bereich sollte nicht mehr gearbeitet werden, wenn die Viruslast im Blut nicht mehr unter der Nachweisgrenze ist, da das Risiko durch den ständigen Kontakt mit Blut und scharfen Geräten ansteigt. In Berufen, in denen solch ein Risiko nicht gegeben ist, besteht kein Grund, den Arbeitgeber einzuweihen.

Eine andere Ausnahme bildet das Personal in der Luftfahrt. Bis Anfang des Jahres 2012 durften HIV-Positive nicht Pilot/Pilotin werden, die Gesetzeslage hat sich dahingehend aber geändert. Trotzdem muss der Arbeitgeber hier unbedingt informiert werden. Noch immer stellen viele Fluggesellschaften keine HIV-Positiven ein, das Gesetz braucht einige Zeit, um überall zu greifen. Grunsätzlich hängt jetzt die Einstellung von Infizierten vom individuellen Gesundheitszustand ab und wie der Arbeitgeber diesen mithilfe von Ärzten bzw. der Luftfahrbehörde beurteilt. Wird ein HIV-Positiver eingestellt, muss sich dieser jedoch daran halten, nur zusammen mit einem Co-Piloten zu fliegen, Soloflüge sind nicht erlaubt. Was das Flugpersonal angeht, dürfen diese laut der meisten Arbeitgeber in Fluggesellschaften arbeiten. Es gibt aber einzelne Fluggesellschaften, die HIV-Tests verlangen und bei denen besondere Auflagen erfüllt sein müssen.

Da die Gesetzeslage bezüglich HIV nicht in allen Ländern gleich ist, muss der Arbeitgeber auch über die Krankheit informiert werden, wenn es um Auslandsaufenthalte geht. Hier müssen die Einreisebestimmungen genau überprüft werden, denn einige Länder verbieten die Einreise mit HIV.
Solange sich der HIV-Positive gesund fühlt, gibt es also keinen Anlass, seinen Arbeitgeber von der Infektion zu unterrichten. Anders ist es jedoch, wenn sich der Zustand verschlechtert und es evtl. zu Ausfällen und häufigeren Arztbesuchen kommt. Hier ist es ratsam, auf Dauer mit dem Arbeitgeber über die Situation zu sprechen. Eine Kündigung darf daraufhin rein rechtlich nicht erfolgen, auch wenn sich noch immer nicht alle daran halten. Viele Infizierte sind jedoch auch positiv überrascht von der Reaktion des Arbeitgebers und stoßen auf viel Verständnis.

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