Wie schwächt HIV den Körper?

HIV wurde im Jahr 1980 das erste Mal bei einem kanadischen Flugbegleiter entdeckt. Es begann mit einem braunen Fleck auf seiner Haut, den später ein Arzt als Krebserkrankung diagnostizierte. Ungewöhnlich war, dass diese Art von Krebs normalerweise nur bei einem geschwächten Immunsystem ausbricht. Vier Jahre später war der Flugbegleiter tot. Etwa zur gleichen Zeit gab es in den USA und in Europa ähnliche Fälle, die zunächst nur männliche Homosexuelle betraf. Das Immunsystem der Betroffenen war so extrem geschwächt, dass einige von ihnen an eigentlich harmlosen Infektionen starben. Später kamen auch nach Bluttransfusionen solche Fälle an die Öffentlichkeit, wordurch sich der Verdacht entwickelte, es könne sich bei der Krankheit um ein Virus handeln. Im Jahr 1982 wurde die unbekannte Krankheit das erste mal benannt: Acquired Immune Deficiency Syndrome (AIDS), das erworbene Immunschwächesydrom. Der Krankheitserreger wurde später als “Human Immunodeficiency Virus“, kurz HIV bezeichnet.

Nach jahrelanger Forschung ist heute der Infektionszyklus des HIV-Erregers gut bekannt. Das Virus besetzt den gesamten Körper und auch das Gehirn, wie in den letzten Jahren herausgefunden wurde. Dabei werden Hirnzellen direkt zerstört und auch das Nervengewebe wird angegriffen.
HIV und AIDS werden oft gleichgesetzt, eigentlich bezeichnet jedoch HIV lediglich die Infektion, AIDS wiederum nennt man die Krankheit, wenn sie tatsächlich ausgebrochen ist. Von der Ansteckung mit HIV bis zum Ausbruch von AIDS können viele Jahre vergehen, selbst unbehandelte Patienten fühlen sich oft noch bis zu 12 Jahre lang völlig gesund. Nach dem Ausbruch kommt es zu lebensbedrohlichen Erkrankungen, die oft schon nach wenigen Jahren zum Tode führen können.

Das HIV wählt bestimmte Abwehrzellen des Körpers als Wirtszellen aus, die es dann befällt. Das HIV “programmiert” sozusagen den Zellkern dieser Zellen so, dass die Zellen von nun an nur noch neue Viren produzieren, bis die befallenen Abwehrzellen bzw. Wirtszellen schließlich absterben. Die dann neugebildeten Viren suchen sich dann wieder neue Abwehrzellen, die sie infizieren können. Nach und nach wird das Immunsystem dadurch geschwächt und neu eindringende Krankheitserreger oder neu entstandene Krebszellen haben es leicht, sich zu vermehren und ausbreiten. Mit der Zeit kommt es zu einem Zusammenbrechen der Immunabwehr. Viele Krankheitserreger, die bei eigentlich gesunden Menschen relativ ungefährlich wären, sowie bestimmte Krebsarten können sich in dem virusgeschwächten Organismus problemlos ausbreiten und letztlich zum Tode führen. Auf Grund dieses Umstandes werden sie als opportunistische Infektionen, Sekundärerkrankungen oder auch als Indikatorkrankheiten bezeichnet.

Noch gibt es kein Heilmittel gegen HIV, obwohl die Forschungen auf Hochtouren laufen. Wohl aber gibt es inzwischen Medikamente, die den Ausbruch von AIDS lange verhindern können. Um sagen zu können, wie viel Zeit den Patienten durch die Medikamente verschafft wird, sind die Mittel jedoch noch zu neu, es konnten noch keine Langzeitstudien zu Ende geführt werden.

Ein Heilmittel gegen HIV zu finden ist deshalb so schwierig, weil die Zellen des Virus sich stetig verändern. Die Zellstrukturen bilden sich immer wieder neu, sodass bei einer Therapie nicht alle Zellen angreifbar sind. Dazu kommt, dass das Virus sich aus dem Blut in andere Körperregionen zurückziehen kann, um dort in eine Art Ruhezustand zu verfallen. Dort kann es von den Medikamenten gegen HIV nicht erreicht werden, da diese über das Blut transportiert werden.